Shirtstelle bei Waschbeckentante


 

Nobelpreiswürdig erklärte sie, was hilft.

≈ Seit der Neugestaltung meines Fitnessstudios vor einigen Monaten ist die Frauenumkleide fast doppelt so groß wie vorher. Weiterhin minimalistisch gehalten ist dafür der Toilettenraum mit zwei Kabinen plus Waschbeckenraum mit Spiegel. Und genau hier drängen sich regelmäßig meine Geschlechtsgenossinnen aneinander. Die Meisten wollen sich nach dem Pipigang ordnungsgemäß die Hände waschen, andere ihre Wasserflasche auffüllen oder einfach die Haare richten. Da wird es schnell eng vorm Spiegel, wenn gerade ein Aerobic-Kurs ansteht und jede holde Dame ein dringendes Anliegen hat.

Wiederholt geblickt

Bin von recht geduldiger Natur. Doch diese eine Frau forderte mich heraus. Minutenlang stand sie vor dem Waschbecken und übte das immer gleiche Ritual aus. Blick in den Spiegel, Kopf nach unten geneigt. Hand vor den Sensor gehalten, Finger befeuchtet und am schwarzen Sportshirt abgerieben. Wieder Blick in den Spiegel. Und noch mal von Vorne. Immer wieder. Nur die jeweilige Shirtstelle jeweils eine andere. Hat sie ein Tier daheim?

Ähnlich vermutet

An meinen ebenfalls dunklen Klamotten bleiben regelmäßig weißgraue Haare meiner Katze hängen. Verlasse damit oft das Haus, stört mich null. Bei Aerobic-Kurs-Besucherinnen ist das anders. Die schminken sich in meinem Fitnessstudio oft noch Minuten bevor es los geht, richten ihre Frisur und checken durchaus die Kleidung im Spiegel. Erfahrungswert. Deshalb eine ähnliche Vermutung bei der Waschbeckentante. Habe sie direkt drauf angesprochen.

Dankend überreicht

„Nee. Mir geht es gar nicht ums Aussehen“, lachte sie beim Antworten und bewegt sich dabei linker Seite vom Waschbecken weg, endlich Platz für mich. „In dem Kursraum ist nur immer so heiß, weißt du, und die Luft steht.“ Bin nie drin gewesen, trainiere gewöhnlich ohne Gruppenzwang. Kann mir die klimatische Athmosphäre im Raum aber gut vorstellen. Vor allem, wenn eine der Hüpfveranstaltungen dort drin ist überbelegt ist. Sauerstoffmangel oder so ähnnlich. Die Waschbeckendame verdient einen Nobelpreis. Von mir und allen anderen Studiosportlern, die sich andauernder 32 Grad Celsius und fehlender Klimaanlage aussetzen, überreiche ich ein fettes DANKE.

Klebrig genässst

Das übliche Handgelenk-plus-Gesicht-Nässen vorm Sport kennt jeder. Gerade bei hohem Außentemperaturen. Hilft eine Weile lang. Wer jedoch eine Stunde lang durchtrainieren will, dessen Haut ist schnell wieder ausgetrocknet. Aber so ein vorher an mehren Stellen angefeuchtetes Sportoberteil hat was. Klar, Schweiß nässt auch, ist halt der eigene Saft. Und klebrig. Doch Shirtwasser frisch ausm Hahn, und überhall am Körper verteilt fühlt sich fast an wie ein hautenger Swimmingpool. Lässt sich bestimmt auch als Laufbandfetischist umsetzen. Demnächst. ≈≈ 

© Aus dem Alltag von Linda Könnecke

 

 

Mit dem Waschen kennt sich Freddy aus.

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