Heimat ohne Fahrrad


Wie ich erinnert werden will.

≈ Mein geliebtes Karlsruhe feiert 2017 „200 Jahre Fahrrad“. Lapidarer Grund dafür: Der Erfinder der Laufmaschine, Vorläufer des späteren Drahtesels ist einst bei uns geboren worden. Zwischendurch hat es Karl Drais beruflich in benachbarte Städte wie Mannheim geführt, doch seine letzte Lebenszeit verbrachte er verarmt wieder hier in der Fächerstadt. Ich gönne ihm unbekannterweise diese Ehre. Obgleich ich selbst nie fahrradfahre. Zugleich ist mir gerade was eingefallen.

Voll residiert

Meine Heimat ist Karlsruhe, wenn auch erst verzögert dazu geworden. Vor 36 Jahren in Berlin geboren und aufgewachsen, mag ich diese Metropole immer noch. Als Besucher. Nostalgisches Heimweh empfinde ich meinem Marzahn und Kreuzberg nicht, dafür haben sich die beiden Orte und auch ich anders entwickelt. Hier unten im Süden habe ich studiert, residiert, gearbeitet und mein soziales Umfeld aufgebaut. Nach kleinen zwischenzeitlichen Unterbrechungen bin ich längst wieder voll dabei. Aber was, wenn?

Vage überdacht

Aus dem jetzigen Lebensmoment heraus weiß ich gar nicht, ob ich jemals posthum für etwas geehrt werde, dass ich erfunden oder wenigstens initiiert war. Sollte es so sein, dann bitte keine Gedenkveranstaltung zwischen den östlichen Plattenbauten oder multikulturellen Cafés in Berlin. Einzig und allein in Karlsruhe. Das ist für mich gefühlte Heimat. Seit fast zwei Jahrzehnten, aktuell und vielleicht noch verdammt lange in der Zukunft. Hier bin ich ICH. Karlsruherin. Kann mich gut anpassen in anderen Städten, sozialen Umfeldern, Kulturen. Und dabei zu mir stehen. Doch genau hier, wo einst Karl Drais darüber grübelte, wie man besser mobil vorankommen könnte, ohne Pferdekraft nur mit eigenem Antrieb, hier BIN ich einfach. Das ist Zuhause. Hat nur geringfügig mit der Stadt an sich zu tun, eher emotional begründet. Und immer wieder neu bewiesen. Oft genug vor dem „Heimattagen Baden-Württemberg Karlsruhe 2017“ gewesen und noch lange danach. Fakt. ≈≈

© Aus dem Alltag von Linda Könnecke

 

Wünsche jedem seine innere Heimat.

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