Egobeileid und Motischubs


Sie gedenken Anderer und doch wohl sich selbst.

 

≈ Wieder jemand gestorben. Passiert nicht selten. Immer traurig. Die Frage ist, warum eigentlich macht es uns so traurig. Egal, ob derjenige Prince Rogers Nelson heißt, es ein Großvater, ein Freund oder entfernter bekannter gewesen ist. Trauer kennt jeder – entweder aus der eigenen Gefühlshistorie oder weil Andere sie ständig thematisieren.

 

Selbst fühlen

 

Von sogenannten Hinterbliebenen heißt es oft, dass es doch so unheimlich traurig sei. Traurig für Denjenigen, der verstorben ist. Eben weil sein Leben ab sofort vorbei. Ob er diese Traurigkeit überhaupt für sich empfindet kann, wenn er doch gar nicht mehr existiert– sei mal dahingestellt. Traurig sind laut Eigenangaben definitiv jene, die noch dabei sind. Soll ihn keiner absprechen. Die Frage ist nur, was dieses Gefühl eigentlich verursacht hat.

 

Ehrlich eingestehen

 

Steckt vielleicht eine Portion Selbstsucht dahinter? Kein Mitleid für den, der nicht mehr da ist. Vielmehr Mitleid mit uns selbst, wenn jemand gestorben ist. Konkret weil wir diesen besonderen Menschen ab sofort nicht mehr bei uns haben. Wir können ihn nicht mehr anrufen, wenn wir was unternehmen wollen. Oder wenn es uns schlecht geht. So wie eben jetzt gerade. Es geht also weniger darum, was der Verstorbene in seinem „restlichen Leben noch so alles hätte machen können“, wie es immer so schön heißt. Wir/ich kann nichts mehr machen, nicht mit ihm oder ihr, weil eben nicht mehr da. Auch kein langersehntes Konzert eines genialen Funkateers. Das nenne ich sozial-emotionalen Egoismus. Nur mal so ein Gedanke, kein Vorwurf. Rein gar nicht. Einfach ehrlich sein, dem Verstorbenen gegenüber, also in Gedenken an ihn, im Austausch mit Anderen über ihn/er/sie/es. Vor allem ehrlich zu uns selbst, genau während wir diese Trauer erleben.

 

Früh verschieden

 

Und noch was. Bei Todesfällen heißt es oft: „Er war doch noch so jung“ oder „… wurde nur X Jahre alt“.  Das klingt mal echt vorwurfsvoll. Als gäbe es irgend Jemanden da draußen, der fälschlicherweise zu früh darüber entschieden hat, wann unser Freund/Bekannter oder fremder Geliebter zu gehen hat. Okay, das wird jetzt spirituell, anderes Thema. Zugleich ist jenes „zu jung“ eine pure Anklage egoistischer Art. Welches irdische Wesen nimmt sich mit solchen Äußerungen das Recht heraus, darüber zu urteilen, wann der richtige Zeitpunkt zum Ableben sein soll?  Sowas sagt die Mutter eines toten Teenagers und genauso wie die Familie eines 57-Jährigen, der noch voll im Beruf ist, bevor er weg war. Beide Hinterbliebene haben vollkommen Recht, wenn es für ihren Schatz „zu früh“ passiert ist, oder?

 

Selbst initiieren

 

Und doch bringt jene Feststellung eines „zu jung“ etwas Konstruktives mit sich. Übertragen wir diese Erkenntnis einfach aufs eigene Leben. Nur selten weiß jemand von vornherein, wann er/sie/es sterben wird. Es kann heute, morgen oder erst nach vielen langen Lebensjahren passieren. Egal wann. Isso, oder? Dann lasst uns danach leben. Als wäre es in der nächsten Stunde soweit. Und bis dahin, egal was wir machen, erledigen, unternehmen – tue es bewusst. Selbst wenn wir  für den Abend nur ruhen, dann machen wir es ganz bewusst. Weil im nächsten Moment bestimmt was Neues kommt. Krankheit, Tod oder vielleicht einfach nur was ganz Tolles, das wir selbst initiiert haben. Los geht es.≈

© Aus dem Alltag von Linda Könnecke

 

 

 

„It’s time we all reach out for something new, that means you too.“  – Prince

 

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2 Gedanken zu „Egobeileid und Motischubs

  1. Ich denke, es geht, wie Du schon sagst, immer um das eigene Empfinden und wie mich der Tod des anderen trifft. Finde ich auch legitim, schließlich setzt man das ja in Relation zum eigenen Dasein und bewertet es dann. Wichtig ist dann auch die Übertragung auf das eigene Leben und wie ich es mit dem Wissen gestalte, ausfülle, lebe. Liebe Grüße, Kerstin

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