Feuerwehrwahn und Vernunftgurt


Zwei Jungs wollen Feuerwehrmänner spielen, finden nichts und wissen es besser.

≈  Kam gerade saunaentspannt und frisch geduscht die inaktive Rolltreppe von meinem Fitnessstudio runter ins Erdgeschoss gelaufen, Richtung Gebäudeausgang. Bereits oben hörte ich mehrere lautstarke Kinderstimmen. Teils wie Freudenschrei, teils etwas kämpferisch. „Jetzt bloß nicht meine gute Laune verderben lassen, schnell an den jungen Kreischhelden vorbei und ab nach Hause“, so mein Gedanke. Bis ich mit den ersten Schritten auf der Treppe jene Kinder und ihre Aktivität überhaupt erst sehen konnte.

Stürmisch draufzu

Zwei Jungs im geschätzten Alter von drei bis vier Jahren rannten aufgeregt um den Feuerwehrautomaten beim Eingang des Scheck-In. So oft ich in dem Einkaufzentrum verkehre, begegnen mir regelmäßig kleine Kinder, die mit ihren Eltern gerade die Edeka-Kasse passieren, und selbst im Eiltempo aufs Feuerwehrauto zustürmen und – sobald das Ziel erreicht – ungeduldig einen Euro von Papa oder Mama warten. So viel kostet die lustige Fahrt im roten Mobil. Manchem Sprössling reicht es jedoch, auf der Fahrerseite des Autos Patz zu nehmen, ganz ohne programmiertes Gewackel und verspielte Kindermelodie. Einfach drinsitzen, am Lenkrad drehen und das vorbeilaufende Publikum stolz anstrahlen. So wie die zwei Jungs gerade, halt dass sie nicht drin saßen und überhaupt nur Platz für Einen war im Cockpit. Schon der erste Grund, sich mit dem besten Freund zu streiten.

Enttäuscht wiederraus

„Ich“ – „Nein, ich!“ „Du warst gestern schon…“ Nach einer kleinen Rempelrunde schaffte es der Blonde ans Steuer. Der Andere, dunkelhaarige, steckte seinen Lockenschopf durchs linke Fenster und diskutierte mit dem sitzenden Freund. „Guck noch mal, der muss irgendwo sein!“ Der Blonde drehte sich. hinten links und zuckte mit der Schulter. „Ist nicht.“ „Wirklich?“ „Nee, echt komisch“ Und stieg sichtlich enttäuscht aus dem Auto. Zusammen mit der dunklen Locke stemmt er seinen Rucksack auf die Schulter, dreht sich noch einmal in Richtung Automatenwagen und motzt beim Weggehen: „Mein Papa ist auch Feuerwehrmann und schnallt sich IMMER an…“

Vernünftig wegvon

Als ich selbst wieder daheim war, befragte ich ungeduldig meine Ente. Schließlich beginne ich meine Reisen als Autofahrerin nie ohne Anschnallen. Aber die Floriansjünger? Jein. Bei neuen Wagen unbedingt. Wenn das Feuerwehrauto jedoch älteren Modells ist, braucht es keinen Gurt. Weder nachträglich in die Karosserie eingebaut noch in dem entsprechenden Schloss verankert. Weil eben höheres Semester. Mit welchem Mobil der Vater des blonden Jungen auch unterwegs ist, seinem Sohn hat er was Vernünftiges beigebracht. Und ihn zugleich vom Automatenfahren abgehalten. Beim nächsten Lebensmitteleinkauf steht Papa vielleicht auch mit zwei Euromünzen parat. So denn das nächste automatisierte Feuerwehrauto MIT sicherem Gurt fährt .≈≈

© Linda Könnecke

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Ein Gedanke zu „Feuerwehrwahn und Vernunftgurt

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