Buchstabenlust und Geistesdefizit


Warum ich schreibe. 

Irgendwas mit Medien Buchstaben. Damit fing alles an. Es war lange bevor ich in der Schule gelernt hatte, vorgegebene Begriffe wie „Haus“ oder „Mutter“ aufs Papier zu bringen. Weit bevor ich eigene Inhalte kreiert und damit erstmals meinen eigenen Lebensunterhalt verdient habe.

Texte wirken

Es begann während meiner frühen Kindergartenbesuche, als ich mal geschwungene, mal recht geradlinige Buchstaben nachzeichnete. Aus purer Lust heraus. Mit den Jahren entwickelte ich meine Leidenschaft für Texte an sich. Erst selbst kreierte und handgeschriebene Geschichten von meinem Papa, dann verlagstechnisch gedruckte Bücher bekannter Autoren und vor allem journalistische Formate. So unterschiedlich sie gestaltet, ihnen gemeinsam war und ist, dass sie wirken. Texte regen an, Texte verärgern, Texte unterhalten, Texte berühren. Nonkommunikation existiert nicht. Wenn ich nach der Lektüre eines Artikels feststelle „das war nichts für mich“, so haben die kommunizierten Worte mindestens diese Feststellung in mir bewirkt.

In meinem Werdegang als Tagebuchführerin, Literatin, Journalistin und Essayistin floss dieser eine Gedanke von Kommunikation stets mit ein: Worte wirken. In schriftlicher Form oft nachhaltiger als mündlich. Entscheidend ist das Wie. Mir ist das als Schreibende durchweg bewusst. Eine Art indirekter Motivation. Mein primärer, treibender Impuls bleibt dennoch das gewählte Thema an sich. Der schreibende Weg zum Artikel: ein Erlebnismoment, ein Gedanke, ein Wort, folgende Worte, eine mögliche Erkenntnis. Das Wie läuft parallel im Hinterkopf. Es beweist keine clevere Strategie, die ich mir vorweg konzipiert hätte. Ursache dessen ist vielmehr ein erspürtes Defizit meiner Person.

Gedanken strukturierend

Ich gehöre zu den Leuten, die nicht Kopfrechnen können. Für jegliche noch so schlichte Multiplikation benötigen wir Stift und Zettel. Erst dann flutscht der mathematische Geist. Noch dringlicher gestaltet es sich bei existentiellen Fragen. Zugegeben, ich hole nicht gleich mein Moleskine aus der Tasche, wenn es darum geht, eine rote Ampel ausnahmsweise zu überqueren oder nicht. Doch über den Alltag hinaus dann doch. Eben die Seele betreffend. Er hilft mir ungemein – dieser schiere Vorgang des Schreibens. Regt in mir weiterführende Gedanken, bringt sie in eine Struktur. Und womöglich zu klarer Erkenntnis.

Kurz gefasst: ich habe ein erfühltes Defizit zum Beruf gemacht. Keine Berufung. Und dennoch ideenreich. – Was willst du eigentlich mal werden? Irgendwas mit Buchstaben. ≈≈

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „Buchstabenlust und Geistesdefizit

  1. Pingback: Wortmenge und Kindsideologie | Alltags.Seele

Was meinst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s